Der Anwalt heute

Es wäre sehr schön, wenn Sie diese Zeilen speichern und sich in einer "Mußestunde" einige Minuten Zeit nehmen könnten, unsere Überlegungen zu begleiten.

Der Rechtsanwalt unserer Tage hat nicht mehr viel gemeinsam mit dem Bild, das man sich allgemein von dem Anwaltsstand noch bis weit in die Gründungsjahre der Bundesrepublik Deutschland hinein allgemein gemacht hat. Mehr und mehr ist der Rechtsanwalt zu einem modernen Dienstleister geworden. Seine Klientel erwartet heute zu Recht, daß der Rechtsanwalt eine optimierte Lösung der anstehenden rechtlichen Probleme anbietet und diese dann auch konsequent durchsetzt im Rahmen eines konstruktiven Miteinander.

Diese veränderte Sichtweise der Stellung des Rechtsanwaltes in der Gesellschaft hat dazu geführt, daß Gesetze und Rechtsprechung dem verständlichen Wunsch des rechtssuchenden Publikums angepaßt wurden. Während dem Rechtsanwalt bis vor einiger Zeit jede Art von Hinweisen auf seine Tätigkeit, wenn man von einem Eintrag im Telefonbuch und von einem Hinweisschild auf die Lage der Kanzlei einmal absieht, untersagt war, dürfen Rechtsanwälte heute in sachlicher Art und Weise auf ihre Kanzleien und die Schwerpunkte ihrer beruflichen Interessen und Tätigkeiten hinweisen.

Zu diesen Möglichkeiten der Darstellung gehört auch das Internet, das auch wir gewählt haben, um über unsere Kanzlei zu informieren.

Wir bitten Sie dabei um Nachsicht dafür, wenn Sie etwa feststellen, daß vieles, was wir in den folgenden Zeilen ansprechen, Ihnen längst bekannt ist.





In den Jahren unserer Tätigkeit haben wir die Erfahrung gemacht, daß viele Rechtssuchende der Vorstellung unterliegen, sobald sie einmal die Unterlagen beim Anwalt abgegeben haben, wäre alles bereits geregelt und sie müßten sich um nichts mehr kümmern. Doch leider: Der Schein trügt.

Selbstverständlich sind auch wir bemüht, dem Mandanten ein gutes Gefühl zu vermitteln und ihm mit auf dem Weg zu geben, daß er nicht allein mit seinem Problem dasteht. Im Vordergrund steht hier natürlich das Vertrauensverhältnis, welches zwischen Anwalt und Mandant immer herrschen sollte. Von grundsätzlicher Bedeutung jedoch bei der Bearbeitung eines Mandates ist das Zusammenspiel zwischen Mandant und Anwalt. Informiert der Mandant seinen Anwalt zügig über etwaige Veränderungen im maßgeblichen Sachverhalt seiner Sache oder reagiert auf konkrete Anfragen seines Anwaltes in angemessener Zeit, kann der Anwalt sofort agieren und den Mandanten in ganz extremen Fällen sogar vor größerem "Übel" bewahren.

Wir möchten uns hier aber nicht nur über die "Pflichten" des Mandanten auslassen, sondern Ihnen ebenfalls einen Überblick über die Pflichten des Rechtsanwaltes im Rahmen der Bearbeitung eines Mandates geben.

Ein unverzichtbares Erfordernis der Bearbeitung der einzelnen Rechtsangelegenheit durch den Anwalt liegt darin, den Mandanten stets und immer über sämtliche wesentlichen Vorgänge, die eine Rolle spielen, etwa durch Übersendung von Durchschriften des geführten Schriftwechsels zu informieren. Bereits hier gibt es im übrigen eine erste Gelegenheit für den Mandanten, zu überprüfen, ob er wirklich den Rechtsanwalt seines Vertrauens gefunden hat. Viele Schriftstücke, die er erhält, sind möglicherweise ohne nähergehende Erläuterung gar nicht verständlich. Der Bearbeitung des Mandates ist es nicht gerade förderlich, wenn der Mandant gezwungen ist, seinen Rechtsanwalt anzurufen und ihn nach dem Hintergrund des übersandten Schriftstückes zu fragen. Eine produktive Zusammenarbeit zwischen Anwalt und Mandant bedeutet auch, daß, wenn der Mandant in einem verständlich abgefaßten Begleitschreiben erläutert bekommt, welche Erfordernisse zu handeln das übermittelte Schriftstück stellt. Der Mandant weiß dann genau, ob er erst einmal in Ruhe dem weiteren Fortgang des Verfahrens entgegensehen kann oder ob er nach Rücksprache mit seinem Rechtsanwalt dafür sorgen muß, daß die Angelegenheit in die eine oder andere Richtung weiterbetrieben werden muß, etwa um Nachteile zu vermeiden und die gewünschten Vorteile schnellstmöglich zu erreichen.





Darüberhinaus erkennt der Mandant die Qualität seines Rechtsanwaltes nicht allein in dessen Person. Er sieht, daß dem Rechtsanwalt als modernem Dienstleister ein qualifiziertes Team zur Seite steht. Die ausgebildeten Rechtsanwaltsfachangestellten üben einen Beruf mit hohen Ansprüchen an die Qualität ihrer Arbeit aus. Sie sind in der Kanzlei des Rechtsanwaltes zuständig für die Fristenüberwachung ebenso wie etwa für die praktische Durchführung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen. Ihre Arbeit ist die Visitenkarte der Anwaltskanzlei.

Es ist nun aber nicht so, daß nur der Rechtsanwalt im Rahmen des Mandatsverhältnisses Pflichten zu erfüllen hat. Auch dem Mandanten muß es in seinem eigenen Interesse daran gelegen sein, die Pflichten, die er im Rahmen des Mandatsverhältnisses hat, zu erfüllen. Hierzu gehört in eigenem Interesse des Mandanten - wie angesprochen - der stetige Informationsaustausch mit dem Rechtsanwalt aber - insoweit unterscheidet sich der Rechtsanwalt nicht viel von anderen Dienstleistungsberufen - auch die Begleichung der anfallenden Kosten. Der Anwalt ist berechtigt, entweder unmittelbar bei Aufnahme seiner Tätigkeit oder auch im Laufe der Zeit seinem Mandanten angemessene Kostenvorschüsse abzuverlangen. Dieses Recht des Anwaltes, das sich im übrigen in vielen anderen Berufen ähnlich ausgestaltet wiederfindet, ist nicht etwa eine freundliche Bitte, die man erfüllen kann oder auch nicht. Der Anwalt ist berechtigt, das Mandant aufzukündigen und seine Tätigkeit für den Mandanten einzustellen, wenn dieser nach entsprechenden Mahnungen und Hinweisen diese Vorschußanforderung nicht begleicht. Dies hat im übrigen für den Mandanten die äußerst unangenehme Folge, daß er in diesem Fall die gesamten, bis zum Zeitpunkt der Kündigung angefallenen Gebühren des Rechtsanwalts unabhängig von der Dauer seiner Tätigkeit zu tragen hat, denn der Mandant hat wegen der Nichtzahlung der Vorschußnote die erfolgte Kündigung selbst herbeigeführt. Er hat sie zu vertreten, wie die Juristen dies nennen.





Leider kommt es vielfach zu Rechtsstreitigkeiten, wenn Mandanten eine Vorschußrechnung nicht begleichen und nach erfolgter Kündigung, ohne daß der Rechtsanwalt weiter tätig ist, plötzlich mit einer weit höheren Rechnung konfrontiert werden. Sie verstehen dann nicht recht, daß die Gesamtgebühr bereits mit der ersten Tätigkeit des Anwalts angefallen ist und eine weitere Tätigkeit nach erfolgter Kündigung des Mandats eben nicht mehr geschuldet ist, ohne daß dieses Einfluß auf die Höhe des gesamten Honorars hätte.

Hier liegt ein ebenso großes Risiko für Mißverständnisse zwischen Mandanten und Anwalt, wie in dem vielfachen Glauben, den Rechtsanwalt auf eigene Erstattungsansprüche gegen Dritte verweisen zu können. So kann das Honorar, das der Mandant dem Anwalt unter dem Gesichtspunkt des erteilten Auftrages schuldet, ggf. -und hoffentlich mit Erfolg- etwa als Schaden gegenüber der jeweiligen Gegenseite geltend gemacht werden. Dies bedeutet jedoch nicht etwa eine Freistellung von der Verpflichtung zur Erstattung der Anwaltsgebühren. Es ist ebenso kuriose wie traurige Wahrheit, daß es etwa gelegentlich vorkommt, daß ein Mandant die Bezahlung einer Anwaltsrechnung unter Hinweis auf den Ausspruch des Gerichts im Urteil verweigert, die Kosten des Rechtsstreits habe die jeweilige Gegenseite zu tragen. Hier handelt es sich - wie oben ausgeführt - eben "nur" um einen Erstattungsanspruch, den durchzusetzen der Anwalt gehalten ist; auf dessen Durchsetzbarkeit er jedoch nicht verwiesen kann.





Ähnliches gilt für die Möglichkeit, im Einzelfall die Gebühren des Rechtsanwalts mit der Rechtsschutzversicherung des Mandanten abzurechnen. Ein vielfach verbreiteter Irrtum besteht darin, zu glauben, eine eigene Verbindlichkeit auf der Grundlage des erteilten Mandatsverhältnisses dem Rechtsanwalt gegenüber bestehe nicht, weil eine Rechtsschutzversicherung besteht.

Tatsächlich besteht auch gegenüber der Rechtsschutzversicherung nur ein Erstattungsanspruch im Rahmen der Allgemeinen Bedingungen der Rechtsschutzversicherer. Es ist jedoch üblich, daß Rechtsanwälte in den Fällen, in denen eine Deckung der Anwaltsgebühren und der Rechtssache überhaupt zu erwarten steht, den Erstattungsanspruch des Mandanten unmittelbar gegenüber der Rechtsschutzversicherung durchsetzen, so daß der Mandant den Eindruck gewinnt, er sei von der Verpflichtung zur Zahlung der Anwaltsgebühren befreit.

Tatsächlich erfolgt dies durch die Rechtsanwälte in aller Regel ohne entsprechende rechtliche Verpflichtung aus Gründen der Notwendigkeit, das Mandat zweckmäßig und zeitsparend abzuwickeln. Viele Mandanten sind sich insoweit nicht darüber im Klaren, daß grundsätzlich auch die Einholung der Deckungszusage einer Rechtsschutzversicherung eine gebührenpflichtige Tätigkeit des Rechtsanwalts darstellt.

Abschließend möchten wir noch zu bedenken geben, daß der Mandant einen vertrauenswürdigen Rechtsanwalt auch daran erkennen wird, daß dieser kein Problem darin sieht, ihm mitzuteilen, das angetragene Mandat in diesem rechtlichen Bereich nicht bearbeiten zu können. Der Rechtsanwalt wird in diesem Fall den Mandanten an einen seiner Kooperationspartner weiterleiten.

Diese Ausführungen erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Wir werden sie ggf. ändern oder ergänzen. Wir hoffen jedoch, Ihnen einen kleinen Einblick in das Mandatsverhältnis an sich und das Verhältnis zwischen Anwalt und Mandant gebracht zu haben.


     
     

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